Über Geld sprechen wir inzwischen viel offener als früher. Über Sparen, Budgets oder darüber, wie am Monatsende mehr Geld übrigbleiben kann.
Bei Schulden sieht das oft anders aus.
In meinem Beruf als Objektbuchhalterin habe ich viel mit Mietkonten und Nebenkostenabrechnungen zu tun. Und ich sehe immer wieder, wie schnell aus einer einzelnen offenen Zahlung ein Rückstand wird. Eine Nachzahlung, die gerade nicht ins Budget passt. Eine Miete, die einen Monat später kommt als sonst. Und plötzlich fehlt das Geld nicht mehr nur einmal, sondern jeden Monat ein bisschen.
Dahinter steckt selten die eine große falsche Entscheidung. Meistens entwickeln sich Schulden langsam: hier eine Rate, dort der Dispo, und dann kommt noch eine größere Rechnung dazu, für die gerade das Geld fehlt.
Schulden entstehen oft schleichend
Gerade ab 40 oder 50 kann sich finanziell noch einmal einiges verändern. Vielleicht werden die Kinder langsam selbstständiger, gleichzeitig brauchen die eigenen Eltern mehr Unterstützung. Eine Trennung, Arbeitslosigkeit oder eine längere Krankheit kann die bisherige Finanzplanung plötzlich auf den Kopf stellen.
Und manchmal stellt man auch einfach fest: Eigentlich müsste finanziell längst mehr Sicherheit da sein, aber stattdessen gibt es einen Dispo, einen Kredit oder mehrere kleine Raten.
Deshalb finde ich eine Frage besonders wichtig:
Wie entstehen Schulden und wann werden sie zum Problem?
Denn bevor du darüber nachdenkst, wie du deine Schulden möglichst schnell wieder loswirst, solltest du verstehen, was Schulden überhaupt sind und wie sie entstehen können.
Was sind Schulden einfach erklärt?
Ganz einfach gesagt: Schulden hast du, wenn du jemandem Geld schuldest.
Nimmst du beispielsweise einen Kredit über 5.000 Euro auf, stellt dir die Bank dieses Geld zur Verfügung. Gleichzeitig verpflichtest du dich, die Summe – meistens zusätzlich mit Zinsen – zurückzuzahlen.
💡 Kurz erklärt
Du bist in diesem Fall die Schuldnerin, die Bank ist der Gläubiger.
Schulden entstehen aber nicht nur durch einen klassischen Kredit.
Bestellst du etwas auf Rechnung, bekommst du die Ware heute und bezahlst später. Kaufst du ein Sofa für 1.200 Euro auf Raten, steht das Sofa schon in deinem Wohnzimmer, obwohl du den Kaufpreis noch nicht vollständig bezahlt hast.
Und hier liegt für mich ein wichtiger Punkt:
Wir nehmen nicht jede Schuld auch als Schuld wahr.
Eine monatliche Rate von 30 oder 50 Euro fühlt sich vielleicht gar nicht nach Schulden an. Trotzdem gehst du damit eine finanzielle Verpflichtung für die kommenden Monate ein.
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Welche Arten von Schulden gibt es?
Bei Schulden denken viele zuerst an einen Bankkredit oder einen überzogenen Dispo. Tatsächlich können Schulden an ganz unterschiedlichen Stellen entstehen. Dazu gehören zum Beispiel:
- • Raten- und Konsumentenkredite
- • Dispokredite
- • Kreditkartenschulden
- • Ratenkäufe
- • „Buy now, pay later“-Käufe
- • offene Rechnungen
- • Mietschulden
- • Strom- und Energieschulden
- • Steuerschulden
- • Schulden bei Familie oder Freunden
- • Immobilien- und Autokredite
Sind Schulden immer schlecht?
Nein. Und das gehört für mich zu einem ehrlichen Umgang mit dem Thema dazu.
Wer ein Haus oder eine Wohnung finanziert, hat meistens über viele Jahre Schulden. Trotzdem bedeutet das nicht, dass diese Person finanzielle Schwierigkeiten hat. Auch ein Kredit oder eine Finanzierung kann eine bewusste finanzielle Entscheidung sein.
Wichtig ist die Frage: Kannst du deine monatlichen Verpflichtungen aus deinem Einkommen bezahlen und bleibt trotzdem genügend Geld für deinen Lebensunterhalt und unerwartete Ausgaben übrig?
Unterschied Verschuldung und Überschuldung
Verschuldet bist du bereits dann, wenn du finanzielle Verpflichtungen gegenüber anderen hast. Das allein muss noch kein Problem sein.
Von Überschuldung spricht man dagegen, wenn die vorhandenen finanziellen Mittel dauerhaft nicht mehr ausreichen, um die fälligen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.
Entscheidend ist also nicht nur die Höhe deiner Schulden, sondern ob du deine fälligen Zahlungen dauerhaft leisten kannst.
Wie entstehen Schulden im Alltag?
Es gibt nicht die eine Ursache für Schulden. Deshalb finde ich Aussagen wie „Dann hätte man eben weniger ausgeben müssen“ viel zu einfach.
Natürlich können Schulden durch Konsum entstehen. Aber genauso können Veränderungen im Leben eine bisher funktionierende Finanzplanung innerhalb kurzer Zeit durcheinanderbringen.
Das Einkommen fällt weg oder sinkt
Arbeitslosigkeit oder ein deutlich geringeres Einkommen können die finanzielle Situation schnell verändern.
Das betrifft nicht nur den Jobverlust. Viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, weil Kinder da sind oder weil Eltern gepflegt werden müssen. Gerade für Frauen ab 40 kann auch beides zusammenkommen: Die Kinder brauchen noch Unterstützung und gleichzeitig benötigen die eigenen Eltern zunehmend Hilfe.
Das Einkommen sinkt – Miete, Strom, Versicherungen und andere Fixkosten laufen aber weiter.
Fehlen ausreichende Rücklagen, wird vielleicht zunächst der Dispo genutzt. Eine Rechnung wird auf den nächsten Monat verschoben oder die Kreditkarte überbrückt einen Engpass. Was nur für kurze Zeit gedacht war, kann sich dadurch langsam festsetzen.
Krankheit
Auch eine längere Krankheit kann die finanzielle Situation verändern.
Nach sechs Wochen endet bei Arbeitnehmerinnen in der Regel die Lohnfortzahlung. Danach kann Krankengeld gezahlt werden, das niedriger als das bisherige Einkommen ist. Plötzlich steht also weniger Geld zur Verfügung, während viele laufende Kosten gleich bleiben.
Gleichzeitig fehlt in so einer Phase vielleicht auch die Kraft, sich intensiv mit Rechnungen und Finanzen zu beschäftigen. Dann bleibt ein Brief eher einmal liegen oder eine Rechnung wird aufgeschoben.
Trennung oder Scheidung
Auch eine Trennung kann finanziell einiges verändern.
Aus einem gemeinsamen Haushalt werden zwei. Miete und Nebenkosten müssen neu getragen werden, möglicherweise kommen Umzugskosten oder Unterhaltszahlungen hinzu. Ausgaben, die vorher auf zwei Einkommen verteilt waren, müssen plötzlich mit weniger Geld finanziert werden.
Und es gibt noch einen Punkt, den man leicht unterschätzt: gemeinsam aufgenommene Kredite oder übernommene Bürgschaften.
Hast du einen Kreditvertrag mitunterschrieben oder eine Bürgschaft übernommen, verschwindet diese Verpflichtung nicht automatisch mit der Trennung. Welche Haftung im Einzelfall besteht, hängt allerdings vom Vertrag und der konkreten Situation ab.
💡 Mein Rat
Unterschreibe keinen Kredit „nur zur Sicherheit“ mit, ohne genau zu wissen, wofür du im Ernstfall geradestehst.
Unerwartete Ausgaben
Das Auto muss in die Werkstatt. Die Waschmaschine geht kaputt. Die Nebenkostenabrechnung bringt eine hohe Nachzahlung. Solche Ausgaben lassen sich nicht immer vermeiden.
💡 Notgroschen statt neuer Schulden
Deshalb halte ich einen Notgroschen für einen wichtigen Bestandteil der Finanzplanung. Er verhindert nicht, dass die Waschmaschine kaputtgeht, aber vielleicht, dass du dafür Schulden machen musst.
Viele kleine Ratenzahlungen
Ratenzahlungen können schnell unübersichtlich werden.
29 Euro im Monat hören sich nach wenig an. Dazu kommen vielleicht 39 Euro für einen anderen Kauf und 50 Euro für die nächste Finanzierung. Jede einzelne Rate scheint bezahlbar. Zusammengerechnet ist aber irgendwann ein immer größerer Teil deines Einkommens schon verplant, bevor der Monat beginnt.
Deshalb frag dich bei einem Ratenkauf nicht nur: Kann ich mir diese Rate leisten?
Sondern auch: Welche Raten und Verpflichtungen laufen bei mir schon?
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Der Dispo wird zum Dauerzustand
Ein Dispokredit kann einen kurzfristigen Engpass überbrücken. Problematisch wird es, wenn das Minus auf dem Konto zum normalen Bestandteil des Monats wird.
Das Gehalt kommt, das Konto ist für kurze Zeit weniger stark im Minus und wenige Tage später beginnt alles von vorne.
Dann fehlt jeden Monat Geld, bevor der Monat richtig angefangen hat.
Die Ausgaben sind dauerhaft höher als die Einnahmen
Schulden entstehen nicht immer durch ein bestimmtes Ereignis. Manchmal geht über Monate einfach etwas mehr Geld hinaus, als hereinkommt.
Zuerst werden die Ersparnisse aufgebraucht. Danach hilft der Dispo. Später kommen Kreditkarte oder Ratenzahlungen dazu.
💡 Weiterlesen
Wenn du dich darin wiedererkennst, lies auch meinen Artikel „Am Monatsende kein Geld übrig? 7 Gründe und einfache Lösungen“.
Wie sind deine Schulden entstanden?
Wenn Schulden da sind, möchten wir meistens zuerst wissen: Wie werde ich sie wieder los?
Ich würde vorher eine andere Frage stellen: Wie sind meine Schulden entstanden?
Zwei Menschen können jeweils 8.000 Euro Schulden haben und trotzdem in völlig unterschiedlichen Situationen stecken.
Bei der einen sind die Schulden nach einer Arbeitslosigkeit entstanden. Bei der anderen haben sich über Jahre Dispo, Kreditkarte und verschiedene Ratenkäufe angesammelt.
Der Betrag ist derselbe. Die Ursache ist eine andere und damit auch der Weg heraus. Deshalb lohnt es sich, einmal zurückzuschauen:
- – Wann haben meine Schulden angefangen?
- – Gab es einen bestimmten Auslöser?
- – Oder sind sie über einen längeren Zeitraum entstanden?
Dabei geht es nicht darum, dir Vorwürfe zu machen. Du möchtest herausfinden, was du verändern kannst, damit nach dem Abbau deiner Schulden nicht wieder neue entstehen.
Und selbst wenn du schon länger mit Schulden lebst: Es ist nicht zu spät, deine finanzielle Situation neu zu ordnen. Gerade mit 40, 50 oder darüber lohnt es sich, Klarheit zu schaffen – auch mit Blick darauf, wie du in den nächsten Jahren finanziell leben möchtest.
Verschaffe dir zuerst einen Überblick über deine Finanzen
Wenn du nicht genau weißt, wo dein Geld jeden Monat bleibt, fang genau dort an.
Schreib deine Einnahmen und deine regelmäßigen Ausgaben auf und schau dir an, welche Verpflichtungen bereits bestehen. In meinem Artikel „Finanzplanung für Frauen: So bekommst du mehr Überblick“ zeige ich dir, wie du deine Finanzen Schritt für Schritt ordnen kannst.
💛 Dein kostenloser Finanzplaner
Mein kostenloser Finanzplaner hilft dir dabei, deine Zahlen übersichtlich zusammenzustellen.
→ Hier kannst du dir meinen kostenlosen Finanzplaner herunterladen.
Du musst dabei noch nichts perfekt planen oder sofort überall sparen. Im ersten Schritt geht es nur darum, zu sehen: Wo stehe ich finanziell gerade?
Wenn du deine Schulden und deine Fortschritte beim Abzahlen übersichtlich festhalten möchtest, findest du in meinem Etsy-Shop auch meinen Schuldenfrei-Tracker. Damit kannst du Schritt für Schritt sichtbar machen, wie deine Schulden weniger werden.
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Wann werden Schulden zum Problem?
Es gibt keine bestimmte Summe, ab der Schulden automatisch problematisch werden. Es gibt aber Warnzeichen, die du ernst nehmen solltest. Zum Beispiel, wenn du:
- ⚠️ jeden Monat auf deinen Dispo angewiesen bist,
- ⚠️ Rechnungen regelmäßig aufschiebst,
- ⚠️ neue Schulden aufnimmst, um alte zu bezahlen,
- ⚠️ nicht mehr genau weißt, wie hoch deine Schulden insgesamt sind,
- ⚠️ bereits Mahnungen oder Post vom Inkassobüro bekommst oder
- ⚠️ deine Post oder dein Onlinebanking am liebsten gar nicht mehr öffnen möchtest.
Hol dir rechtzeitig Unterstützung
Wenn du merkst, dass du deine Zahlungen dauerhaft nicht mehr leisten kannst, hol dir Unterstützung bei einer anerkannten Schuldnerberatung.
Solche Beratungsstellen findest du zum Beispiel bei Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen.
Gerade bei Miet- oder Energieschulden, Pfändungen oder laufenden Mahnverfahren würde ich nicht lange warten.
💡 Vorsicht
Sei vorsichtig bei gewerblichen Anbietern, die eine schnelle Schuldenregulierung gegen hohe Gebühren versprechen.
Wie erkläre ich Kindern Schulden?
Auch Kinder bekommen mit, dass Erwachsene über Geld sprechen. Sorgen müssen wir ihnen nicht aufladen, aber den Begriff Schulden kann man ganz einfach erklären:
Wenn dir jemand Geld leiht, kannst du etwas bezahlen, obwohl du das Geld gerade nicht selbst hast. Dieses Geld musst du später zurückgeben. Solange du es noch nicht zurückgegeben hast, hast du Schulden.
Mit Taschengeld wird das greifbar: Leiht sich ein Kind 10 Euro, ist das nächste Taschengeld schon verplant, bevor es da ist.
Und eigentlich ist das auch für uns Erwachsene eine ziemlich gute Erklärung: Geliehenes Geld ist kein zusätzliches Einkommen.
Du hast Schulden – was kannst du jetzt tun?
Jetzt geht es darum, deine Schulden einmal vollständig zusammenzutragen:
- ✓ Wie hoch sind deine Schulden insgesamt?
- ✓ Wem schuldest du Geld?
- ✓ Welche monatlichen Raten laufen?
- ✓ Wie hoch sind die Zinsen?
- ✓ Welche Rechnungen sind bereits fällig?
Und genauso wichtig: Wie viel Geld kommt jeden Monat herein und wie viel geht wieder hinaus?
Wenn du diese Zahlen kennst, kannst du einen Plan entwickeln.
Als nächsten Schritt kannst du meinen Artikel „Finanzplanung für Frauen: 10 Wege, wie du deine Schulden schneller abbauen kannst“ lesen.
Wenn du bereits einen Überblick hast und überlegen möchtest, welche Schulden du zuerst zurückzahlst, findest du dazu meinen Artikel „Schulden abbauen: Welche Strategie – Schneeball oder Lawine?“.
Erst Überblick. Dann Plan. Dann Schritt für Schritt weiter.
Häufige Fragen zu Schulden
Was sind Schulden einfach erklärt?
Schulden hast du, wenn du gegenüber einer anderen Person, einem Unternehmen, einer Bank oder einer Behörde eine finanzielle Verpflichtung hast. Hast du dir zum Beispiel Geld geliehen, besteht die Schuld so lange, bis du alles vollständig zurückgezahlt hast.
Wie entstehen Schulden?
Schulden können durch Kredite, Ratenkäufe oder einen überzogenen Dispo entstehen. Aber auch Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung, unerwartete Ausgaben oder dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen können zu Schulden führen.
Welche Arten von Schulden gibt es?
Dazu gehören unter anderem Bank- und Ratenkredite, Dispokredite, Kreditkartenschulden, offene Rechnungen, Ratenkäufe sowie Miet-, Energie- oder Steuerschulden. Auch Geld, das du dir von Familie oder Freunden geliehen hast, zählt zu den Schulden.
Sind Schulden immer schlecht?
Nein. Auch ein Immobilienkredit ist eine Schuld. Entscheidend ist, ob du deine laufenden Zahlungen zuverlässig leisten kannst und daneben genug Geld für deine Lebenshaltungskosten bleibt.
Wann werden Schulden problematisch?
Schulden werden vor allem dann problematisch, wenn du deine laufenden Verpflichtungen nicht mehr zuverlässig aus deinem Einkommen bezahlen kannst. Warnzeichen können ein dauerhaft überzogenes Konto, aufgeschobene Rechnungen, Mahnungen oder neue Schulden sein, mit denen du alte Verpflichtungen bezahlst.
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Fazit: Schulden verstehen, bevor du sie abbaust
Schulden entstehen nicht immer durch eine falsche Entscheidung.
Manchmal verändert sich das Leben. Manchmal fehlt eine Rücklage. Und manchmal schleichen sich Dispo, Ratenzahlungen und offene Rechnungen nach und nach in den Alltag.
Wenn du weißt, wie deine Schulden entstanden sind und wo du finanziell stehst, hast du zwei wichtige Grundlagen geschaffen, um etwas zu verändern.
Entscheidend ist nicht, alles sofort lösen zu wollen. Fang mit deinen Zahlen an und geh dann einen Schritt nach dem anderen.
💛 Möchtest du direkt anfangen?
Mein Geldkompass begleitet dich dabei, deine finanzielle Situation genauer anzuschauen, deine Ausgaben und Gewohnheiten zu hinterfragen und herauszufinden, was du als Nächstes verändern möchtest.
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