Ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem mir bewusst wurde, wie sehr mich meine Finanzen beschäftigten.
Ich stand im Supermarkt, hatte einen Müsliriegel in der Hand und fragte mich: „Kann ich mir das gerade leisten? Oder sollte ich ihn lieber liegen lassen?“
Es ging nur um einen Müsliriegel. Aber genau solche kleinen Situationen können zeigen, wie belastend Geldfragen im Alltag werden.
Vielleicht kennst du das auch. Du möchtest deine Finanzen ordnen, einen Haushaltsplan erstellen und regelmäßig etwas sparen. Doch dann kommen unerwartete Rechnungen, der Alltag wird stressig und irgendwann fehlt dir wieder der Überblick.
Als Buchhalterin weiß ich, wie wichtig es ist, Einnahmen und Ausgaben zu kennen. Dafür brauchst du weder komplizierte Berechnungen noch ein perfektes System.
In diesem Artikel zeige ich dir sieben Schritte, mit denen du deine Finanzplanung selbst in die Hand nehmen kannst. Mit einfachen Methoden, konkreten Beispielen und einem Plan, der zu deinem Leben passt.
Warum Finanzplanung für Frauen besonders wichtig ist
Viele Frauen arbeiten zeitweise in Teilzeit, unterbrechen ihre Berufstätigkeit wegen der Familie oder verdienen weniger als ihre Partner. Das kann sich nicht nur auf das aktuelle Einkommen, sondern auch auf die spätere Rente auswirken.
Gerade ab 40 verändert sich für viele Frauen noch einmal einiges. Vielleicht werden die Kinder selbstständiger, du möchtest dich beruflich verändern oder musst nach einer Trennung deine Finanzen neu organisieren.
Vielleicht möchtest du aber auch einfach unabhängiger werden und selbst entscheiden können, wofür du dein Geld verwendest.
Eine gute Finanzplanung hilft dir, deine finanzielle Situation realistisch einzuschätzen. Du erkennst, welche Ausgaben notwendig sind, wo du Spielraum hast und welche Ziele du erreichen kannst.
Finanzplanung bedeutet nicht, möglichst wenig auszugeben. Sie bedeutet, bewusste Entscheidungen über dein Geld zu treffen.
Schritt 1: Verschaffe dir einen Überblick über deine Finanzen
Bevor du etwas verändern kannst, solltest du wissen, wie viel Geld du monatlich einnimmst und ausgibst.
Nimm dir dafür deine Kontoauszüge der vergangenen drei Monate. Notiere zunächst alle regelmäßigen Einnahmen, beispielsweise dein Nettogehalt, Kindergeld, Unterhalt oder Einnahmen aus einer Nebentätigkeit.
Wenn dein Einkommen schwankt, solltest du einen längeren Zeitraum betrachten und lieber vorsichtig planen, statt dich an deinem besten Monat zu orientieren.
Danach schaust du dir deine Ausgaben an. Berücksichtige auch kleinere Abbuchungen, Einkäufe und Kartenzahlungen.
Vielleicht stellst du fest, dass du für Lebensmittel deutlich mehr ausgibst als gedacht. Oder du entdeckst Abonnements, die du schon lange nicht mehr nutzt.
Wichtig ist, dass du deine Zahlen zunächst nicht bewertest. Es geht darum, deine Ausgangslage zu verstehen.
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Schritt 2: Teile deine Ausgaben in drei Bereiche ein
Damit du deine Kosten besser planen kannst, solltest du zwischen Fixkosten, variablen Ausgaben und unregelmäßigen Rechnungen unterscheiden.
Fixkosten: Was regelmäßig bezahlt werden muss
Dazu gehören beispielsweise Miete, Strom, Versicherungen, Internet, Mobilfunk und Kreditraten. Diese Ausgaben fallen regelmäßig an und lassen sich meistens gut einplanen.
Manche Fixkosten kannst du kurzfristig kaum verändern. Bei anderen lohnt es sich, später genauer hinzuschauen.
Variable Ausgaben: Was sich jeden Monat verändert
Lebensmittel, Drogerieartikel, Kleidung, Freizeit und Restaurantbesuche gehören zu den variablen Kosten.
Gerade diese Ausgaben werden häufig unterschätzt, weil sie sich aus vielen einzelnen Einkäufen zusammensetzen. Schau deshalb nicht nur auf einen einzelnen Monat, sondern auf deine durchschnittlichen Kosten.
Unregelmäßige Kosten: Die vergessenen Rechnungen
Manche Ausgaben fallen nur einmal oder wenige Male im Jahr an. Dazu gehören beispielsweise die Kfz-Versicherung, Mitgliedsbeiträge, Weihnachtsgeschenke oder größere Anschaffungen.
Angenommen, du benötigst dafür insgesamt 1.800 Euro im Jahr. Wenn du diesen Betrag durch zwölf teilst, ergeben sich 150 Euro monatlich.
Diesen Betrag kannst du regelmäßig zurücklegen, damit größere Rechnungen nicht plötzlich dein gesamtes Monatsbudget belasten. Prüfe allerdings auch die Fälligkeitstermine und ob bereits Rücklagen vorhanden sind.
Schritt 3: Erstelle einen realistischen Haushaltsplan
Jetzt kannst du aus deinen Einnahmen und Ausgaben einen einfachen Haushaltsplan erstellen. Wichtig ist, dass du nicht mit Wunschbeträgen rechnest, sondern mit Zahlen, die zu deinem Alltag passen.
So könnte deine Monatsplanung aussehen
Angenommen, du hast monatlich 2.200 Euro netto zur Verfügung.
- 1.100 Euro für Fixkosten
- 150 Euro für jährliche Rechnungen
- 400 Euro für Lebensmittel und Drogerie
- 250 Euro für Mobilität, Freizeit und Kleidung
Dein monatlicher Spielraum
2.200 Euro Einnahmen minus 1.900 Euro geplante Ausgaben ergeben 300 Euro, die du beispielsweise für Rücklagen, Sparziele oder einen zusätzlichen Puffer verwenden kannst.
Bevor du diesen Betrag fest einplanst, solltest du allerdings prüfen, ob wirklich alle Ausgaben berücksichtigt wurden.
Vielleicht fallen regelmäßig Arztkosten an, du unterstützt ein Familienmitglied oder benötigst in bestimmten Monaten mehr Geld. Ein guter Haushaltsplan berücksichtigt solche Unterschiede.
Was tun, wenn dein Budget nicht aufgeht?
Wenn deine Ausgaben höher sind als deine Einnahmen, solltest du zuerst prüfen, welche Kosten du beeinflussen kannst.
Manchmal helfen kleinere Veränderungen. Wenn allerdings schon die notwendigen Lebenshaltungskosten dein Einkommen übersteigen, reicht es nicht, gelegentlich auf einen Kaffee zu verzichten.
Dann kann es sinnvoll sein, mögliche Ansprüche auf finanzielle Unterstützung zu prüfen oder dich beraten zu lassen. Dein Haushaltsplan soll dir zeigen, was möglich ist, und nicht zusätzlichen Druck erzeugen.
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Schritt 4: Überprüfe deine Fixkosten und finde Einsparmöglichkeiten
Wenn du deine Ausgaben kennst, kannst du gezielt nach Einsparmöglichkeiten suchen.
Beginne bei Verträgen und Abonnements, die regelmäßig Geld kosten. Vielleicht nutzt du dein Fitnessstudio kaum noch oder dein Handytarif ist inzwischen deutlich teurer als nötig.
Stelle dir bei jedem Vertrag drei Fragen:
- Nutze ich diese Leistung tatsächlich?
- Brauche ich sie in diesem Umfang?
- Gibt es eine günstigere Alternative?
Angenommen, du sparst durch einen günstigeren Handytarif 8 Euro und durch zwei angepasste Abonnements weitere 22 Euro monatlich.
Das sind insgesamt 30 Euro im Monat und 360 Euro im Jahr.
Achte bei einem Wechsel allerdings auch auf Kündigungsfristen, mögliche Gebühren und den Leistungsumfang. Besonders bei Versicherungen sollte der Preis nicht das einzige Entscheidungskriterium sein.
Und denke daran: Nicht jede Ausgabe muss gestrichen werden. Wenn dir ein wöchentlicher Cafébesuch Freude macht und er in dein Budget passt, darf er bleiben.
Schritt 5: Baue dir einen Notgroschen auf
Eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur oder eine unerwartete Rechnung können deine Finanzplanung schnell durcheinanderbringen.
Deshalb ist es sinnvoll, Geld für finanzielle Notfälle zurückzulegen.
Häufig werden drei bis sechs Monatsausgaben für notwendige Lebenshaltungskosten als Orientierung genannt. Wie hoch dein persönlicher Notgroschen sein sollte, hängt allerdings von deiner Lebenssituation ab.
Wenn du beispielsweise 1.500 Euro monatlich für notwendige Ausgaben benötigst, entsprechen drei Monatsausgaben 4.500 Euro.
Das klingt zunächst nach einer großen Summe. Du musst sie aber nicht sofort erreichen. Beginne beispielsweise mit 500 Euro und arbeite dich danach auf 1.000 Euro vor.
Wenn du monatlich 50 Euro zurücklegst, kommen innerhalb eines Jahres 600 Euro zusammen.
Für deinen Notgroschen eignet sich beispielsweise ein separates Tagesgeldkonto, auf das du bei Bedarf kurzfristig zugreifen kannst. Für geplante Ausgaben wie Urlaub oder Weihnachtsgeschenke solltest du dagegen eigene Rücklagen bilden.
Wenn du dich ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen möchtest, zeige ich dir in meinem Artikel Notgroschen aufbauen: So schaffst du deine finanzielle Reserve, wie du deine Rücklage Schritt für Schritt aufbauen kannst.
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Schritt 6: Plane deine Sparziele und deine Altersvorsorge
Finanzplanung soll dir nicht nur helfen, Rechnungen zu bezahlen. Sie soll dir auch ermöglichen, eigene Wünsche zu verwirklichen.
Vielleicht möchtest du eine Reise unternehmen, eine Weiterbildung finanzieren oder deine Wohnung neu gestalten. Überlege dir deshalb, welche Ziele du in den nächsten Monaten und Jahren erreichen möchtest.
Aus einem Wunsch wird ein konkreter Sparplan
Angenommen, du möchtest innerhalb von zwölf Monaten 720 Euro für eine Reise zurücklegen. Dann benötigst du monatlich 60 Euro.
Wenn dieser Betrag zu deinem Budget passt, kannst du einen Dauerauftrag einrichten und das Geld regelmäßig auf ein separates Sparkonto überweisen.
Du kannst auch mehrere Ziele haben. Achte dann darauf, dass deine gesamten Sparbeträge zu deinem verfügbaren Einkommen passen.
Warum du deine Altersvorsorge nicht vergessen solltest
Gerade Frauen ab 40 sollten sich mit ihrer späteren finanziellen Situation beschäftigen.
Teilzeitarbeit, berufliche Unterbrechungen und geringere Einkommen können sich auf die Höhe der gesetzlichen Rente auswirken.
Schau deshalb in deine Renteninformation und prüfe, welche zusätzlichen Vorsorgeverträge oder Rücklagen du bereits hast.
Überlege auch, wie hoch deine voraussichtlichen Lebenshaltungskosten im Ruhestand sein könnten. So erkennst du, ob zwischen deinen erwarteten Einnahmen und deinem späteren Bedarf eine Lücke entstehen könnte.
Wenn du zusätzlich Geld anlegen möchtest, solltest du dich vorher über Chancen, Risiken und Kosten informieren. Nicht jede Anlageform passt zu jedem Sparziel.
Schritt 7: Entwickle eine einfache Finanzroutine
Ein Haushaltsplan hilft dir nur dann langfristig, wenn du ihn gelegentlich überprüfst.
Deine Lebenssituation kann sich verändern. Vielleicht bekommst du eine Gehaltserhöhung, deine Miete steigt oder du möchtest ein neues Sparziel verfolgen.
Deshalb empfehle ich dir, einmal pro Woche etwa 15 Minuten für deine Finanzen einzuplanen.
Drei Fragen für deinen wöchentlichen Finanzcheck
- Liege ich mit meinen Ausgaben noch innerhalb meines Budgets?
- Welche Rechnungen stehen in den nächsten Tagen an?
- Muss ich meine Planung an irgendeiner Stelle verändern?
Einmal im Monat kannst du zusätzlich überprüfen, ob deine Rücklagen und Sparbeträge noch zu deiner aktuellen Situation passen.
Wenn du dein Budget einmal überschreitest, bedeutet das nicht, dass deine Finanzplanung gescheitert ist.
Vielleicht war der geplante Betrag zu niedrig. Vielleicht kam eine unerwartete Ausgabe dazu. Dann passt du deinen Plan entsprechend an.
Eine gute Finanzroutine soll dir Sicherheit geben und nicht das Gefühl, ständig alles kontrollieren zu müssen.
Warum auch dein Money Mindset zur Finanzplanung gehört
Vielleicht hast du beim Lesen der sieben Schritte festgestellt, dass vieles eigentlich gar nicht so kompliziert klingt.
Einnahmen aufschreiben, Ausgaben ordnen, Rücklagen bilden und regelmäßig das Budget überprüfen. Die einzelnen Aufgaben sind überschaubar.
Und trotzdem fällt es manchmal schwer, tatsächlich anzufangen oder langfristig dranzubleiben.
Vielleicht schiebst du den Blick auf deine Kontoauszüge immer wieder auf. Oder du kaufst nach einem anstrengenden Tag etwas, obwohl du dir vorgenommen hattest, weniger Geld auszugeben.
Genau hier kommt dein Money Mindset ins Spiel.
Unsere Erfahrungen und Überzeugungen können beeinflussen, wie wir mit Geld umgehen. Vielleicht kennst du Gedanken wie „Ich bin schlecht mit Geld“ oder „Bei meinem Einkommen kann ich sowieso nichts sparen“.
Solche Glaubenssätze können dazu führen, dass du dich nur ungern mit deinen Finanzen beschäftigst.
Versuche deshalb, diese Gedanken zu hinterfragen. Statt „Ich bin schlecht mit Geld“ könntest du dir sagen: „Ich kann lernen, meine Finanzen besser zu organisieren.“
Das allein verändert deine finanzielle Situation natürlich nicht. Es kann dir aber helfen, offener an neue Gewohnheiten heranzugehen.
Vergleiche dich dabei nicht ständig mit anderen. Jede Frau hat andere Voraussetzungen, Verpflichtungen und Möglichkeiten.
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Häufige Fragen zur Finanzplanung für Frauen
1. Kann ich auch mit wenig Einkommen einen Finanzplan erstellen?
Ja. Gerade bei einem kleinen Einkommen kann ein Finanzplan helfen, notwendige Ausgaben besser zu organisieren und Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Wenn dein Einkommen kaum für die Lebenshaltungskosten ausreicht, sollte zunächst die Sicherung dieser Ausgaben im Vordergrund stehen. Nicht jede finanzielle Schwierigkeit lässt sich durch Sparen lösen.
2. Wie oft sollte ich meine Finanzplanung überprüfen?
Ein kurzer wöchentlicher Blick auf deine Ausgaben und ein ausführlicherer Monatscheck sind ein guter Anfang.
Bei größeren Veränderungen wie einem Jobwechsel, einer Trennung oder einem Umzug solltest du deine Planung zusätzlich anpassen.
3. Was mache ich, wenn ich Schulden habe?
Verschaffe dir zunächst einen Überblick über offene Beträge, Zinssätze und monatliche Raten.
Wenn du Schwierigkeiten hast, deine laufenden Zahlungen zu leisten, kann eine anerkannte Schuldnerberatung helfen.
Wenn du wissen möchtest, welche Schulden du zuerst zurückzahlen solltest, findest du in meinem Artikel Schulden abbauen: Schneeball oder Lawine zwei unterschiedliche Strategien.
4. Brauche ich mehrere Konten für meine Finanzplanung?
Nein. Du kannst mit einem Girokonto und einer einfachen Übersicht beginnen.
Ein separates Konto für Rücklagen kann allerdings hilfreich sein, damit du geplante Sparbeträge nicht versehentlich im Alltag ausgibst.
Fazit: Finanzplanung für Frauen darf einfach sein
Du musst nicht jeden Cent kontrollieren oder von heute auf morgen alles verändern.
Beginne damit, deine Einnahmen und Ausgaben zu erfassen. Erstelle einen realistischen Haushaltsplan, überprüfe deine laufenden Kosten und baue Schritt für Schritt Rücklagen auf.
Denke dabei auch an deine persönlichen Ziele und deine finanzielle Zukunft.
Mit einer einfachen Routine kannst du deine Finanzen langfristig im Blick behalten, ohne dich jeden Tag damit beschäftigen zu müssen.
Der beste Finanzplan ist nicht der komplizierteste, sondern der, den du im Alltag tatsächlich nutzt.
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